In "Stasi MMORPG" hatte ich meine Einschaetzung zur eingefuehrten Funktion, den Fortschritt von WoW Charakteren mittels RSS Feed zu "ueberwachen" geaeussert. Ein Hauptargument der Befuerworter bzw. derer, denen es egal war, dass ihr Spielverhalten fuer jederman zugaenglich in Netz dokumentiert ist, war die fehlende Verknuepfung von Charakternamen zu realem Namen. Diesbezueglich legt Blizzard jetzt fuer alle Foren (Warcraft/Starcraft/Diablo usw.) nach:
Die erste und wichtigste Änderung ist, dass in naher Zukunft alle Teilnehmer in den offiziellen Blizzard-Foren ihre Beiträge und Antworten mit ihrem richtigen Vor- und Nachnamen verfassen werden. Zusätzlich werden sie die Möglichkeit haben, auch den Namen ihres Hauptcharakters anzeigen zu lassen.Mit diesem Schritt will man versuchen, dass teils unterirdische Niveau in den Foren anzuheben, da sich Trolle und Stoerenfriede nun nicht mehr hinter ihrer "Anonymitaet" verstecken koennen. Wem diese Realnamepflicht nicht gefalle muesse ja nicht an den Foren teilnehmen laesst Blizzard lapidar durch den Community Manager verlautbaren. Leichter gesagt denn getan, denn in vielen Faellen ist annehmbarer Support nur ueber die Foren erhaeltlich.
Auch wenn ich zu meiner aktiven Usenet Zeit vor ca. 13 Jahren oft und gern auf die Realnamepflicht hingewiesen habe bzw. lieber mit jemandem diskutierte, der vernuenftig ueber einen anonymen Remailer gepostet hat und nicht als "B1gb4dHaXX0rfr0mH311" mit GMX Account daherkam geht das Blizzard Vorhaben in meinen Augen mal wieder eindeutig zu weit.
Deja News, das heutige Google Groups, gab es als allwissende Usenet-Bithalde damals zwar auch, aber man konnte z.B. ueber "X-No-Archive" einfacher die Kontrolle ueber die eigenen Posts behalten als es in Blizzards Foren heute moeglich ist. Ausserdem bestand trotz erwuenschtem Realname immer die Moeglichkeit weiterhin mit Pseudonym oder Nick zu posten. Im Zweifelsfall wurde man eben von den anderen Teilnehmen nicht mehr gelesen. All diese Moeglichkeiten gibt es bei Blizzard nicht. Nur wer seinen Account per Game-Card bezahlt kann sich theoretisch ein Pseudonym zulegen.
Wer zum Realnamen freiwillig auch noch den Namen seines Charakters angibt macht sich was seine Spielgewohnheiten angeht glaesern. Fuer jedermann. Ich befuerchte das diese Freiwilligkeit im naechsten Schritt dann auch abgeschafft wird.
Ob ich mich als weiblicher Spieler in einer doch eher maennlich dominierten Spielergemeinschaft namentlich outen moechte ist auch durchaus fraglich. In meiner Zeit als Spieler hab ich einige verwirrt liebestolle Maennchen erlebt, an denen jeder virtuelle Korb abgeprallt ist wie ein Wattebaellchen am Plattenruestungstraeger.
Diskussionen in Foren sind oft emotionsgeladener als im analogen Leben. Ich kann mich nicht sicher an Usenet Flamewars erinnern, die letztendlich in Handgreiflichkeiten gipfelten. Drohungen dieser Art gab es jedoch einige. In meinen Augen sind Spieleforen oft noch um einiges emotionaler als ich das Usenet je erlebt habe. Ob man nun nach hitziger Diskussion oder In-Game Belaestigungen anderer Spieler damit rechnen muss Besuch, unerwuenschte Grossbestellungen oder anonyme Anzeigen zu erhalten sei dahingestellt. Ich halte es aber in einigen Faellen fuer durchaus moeglich.
Fuer viele Menschen sind Online-Spiele ein noch unverstandenes Phaenomen und Spieler werden nicht selten in die Ecke "Totalversager ohne Job und Leben" gestellt. Was so heillos uebertrieben klingt habe ich in Diskussion mit ansich klar denkenden, intelligenten Menschen schon gehoert. Es gibt diesbezueglich viele Vorurteile und vielleicht auch Menschen auf die ein Teil dieser Vorurteile zutreffen mag, aber aufgrund einiger Stoerenfriede eine ganze Spielergemeinde zukuenftig namentlich bekannt zu machen und somit quasi, nun wirklich uebertrieben ausgedrueckt, an den virtuellen Pranger zu stellen, ist keine Loesung.
Sollte Blizzard wirklich an diesen Aenderungen festhalten und den lesenden Zugang zu den Foren weiterhin fuer jederman erlauben, waer das eine eindeutige Absage an Datenschutz und Kundenschutz. Es waere sinnvoller eine Funktion zu implementieren, mit der andere Forenteilnehmer rausgefiltert werden koennen (als ich zuletzt im Forum aktiv war ging das nicht). Die ernsthaften Forenteilnehmer koennen die Stoerenfriede ausblenden und haben groesstenteils ihre Ruhe. Und wenn schon jeder Spieler gezwungen wird unter seinem echten Namen zu schreiben, dann bitte die Foren nicht fuer jeden durchsuchbar lassen. Namen gehoeren ausgeblendet wenn man nicht selber ueber einen aktiven Account verfuegt und eingeloggt ist. Etliche privat gefuehrte Foren bieten diese Funktionen und ein Riese wie Blizzard schafft das nicht?
Ich selber spiele schon lange nicht mehr, war auch in den Foren nicht sonderlich aktiv und auch nie an Flamewars beteiligt. Da sich die Aenderungen auf zukuenftige Teilname an den Foren beschraenkt und bereits erstellte Beitraege nachtraeglich nicht mit Namen versehen werden, basiert meine Kritik also auch nicht auf der Befuerchtung, eigene Flames koennen demnaechst bis zu mir zurueckverfolgbar sein. Ich bin schlicht erstaunt ueber die Art und Weise, mit der Blizzard dem Thema Datenschutz und der Kritik der eigenen Kundschaft begegnet. So schreibt ein weiterer Blizzard Mitarbeiter
Ohne eure Zustimmung werden keinerlei Daten offen gelegt.Uhm, doch, die realen Namen der Leute werden offensichtlich gegen ihren Willen offengelegt. Aber man muss sich ja nicht an der Community beteiligen oder den Support in Anspruch nehmen... Eine merkwuerdige Art der Kundenbindung, die Blizzard da seit einigen Monaten betreibt. Die Diskussion um die gestrige Ankuendigung der Aenderungen seitens Blizzard umfasst aktuell ueber 4480 zumeist kritische Antworten und es werden sekuendlich mehr.
Golem berichtet schon, der Rest wird sicherlich noch folgen. Wie immer wird sich Blizzard nicht daran stoeren und fleissig monoton weiter ihre Parolen wie "Wir verstehen eure Bedenken aber wir sind wirklich ueberzeugt von dieser Aenderung." verbreiten. Leider werden sich auch diesmal wieder viele Spieler den neuen Regeln unterwerfen, freiwillig einen Teil ihrer Privatsphaere aufgeben und sich so daran gewoehnen, langsam immer mehr Privatsphaere aufzugeben.
[Update] Oh hai Heise.
[Update++] CAD sehr passend dazu.
[Update++] The story of Micah Wipple durchleuchtet einen US Community Manager von Blizzard.
[Update++] Real Life Comics befuerchtet erschwerte Bewerbungsverfahren
[Update++] Blizzards Micah Bashiok Wipple loescht seinen Twitter Account und laesst seinen Telefonanschluss sperren. Hey, ist doch alles nicht so schlimm mit den Realnamen...
[Update++] Sogar Spiegel Online opfert etwas Speicherplatz und berichtet, statt ueber den Fuehrer oder en detail ueber das Tattoo von Frau Wulff zu schreiben.














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